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      Berufsfeuerwehrfrau in Eschweiler

      Zum heutigen Weltfrauentag ein Bericht über unsere derzeit einzige Berufsfeuerwehrfrau bei der Feuerwehr Eschweiler.

      Über 100 Berufsfeuerwehrfrauen und -männer, Notfallsänitäterinnen und -sanitäter sowie Verwaltungsangestellte arbeiten mittlerweile auf unserer Feuerwache. Damit wir immer ausreichend Personal haben und freiwerdende Stellen durch z.B. Pensionierungen wieder besetzen können, beginnen in jedem Kalenderjahr ein 18monatiger Grundausbildungslehrgang für Berufsfeuerwehrfrauen und -männer sowie eine dreijährige Ausbildung zur Notfallsanitäterin bzw. zum Notfallsanitäter auf unserer Feuer- und Rettungswache. 

      Unter den angehenden Berufsfeuerwehrleuten, die am 01.04.2025 ihre Ausbildung begonnen haben, befindet sich mit unserer Kameradin und Kollegin Olga Maser die aktuell einzige (angehende) Berufsfeuerwehrfrau unserer Feuerwehr. Auch wenn dies in der aktuellen Zeit eigentlich nichts Besonderes sein dürfte, sind Frauen in der Welt der Berufsfeuerwehren noch deutlich in der Minderheit. 

      Die Redakteurin Anke Capellmann aus der Lokalredaktion der Eschweiler Zeitung nahm dies zum Anlass, ein ausführliches Interview mit Olga zu einem Bericht in der Tageszeitung auszuarbeiten. Dieser Bericht wurde vor einigen Tagen veröffentlicht. 

      Wir möchten ihn im Folgenden einmal wiedergeben und hoffen, dass noch viele Frauen Olgas Weg zukünftig einschlagen und auch Berufsfeuerwehrfrauen werden. Unsere kommenden Stellenausschreibungen für die folgenden Ausbildungen zu Berufsfeuerwehrleuten und Notfallsanitäterinnen/-sanitätern werden wir an dieser Stelle auch wieder veröffentlichen. 

      Viel Spaß beim Lesen und Dir, Olga, weiter viel Erfolg in der Grundausbildung zur Berufsfeuerwehrfrau!

      Allein unter Männern: Warum Olga Maser (32) Feuerwehrfrau wurde

      Olga Maser ist die einzige hauptamtliche Feuerwehrfrau in Eschweiler. Ihr Beispiel zeigt, dass Mut, Teamgeist und Durchhaltevermögen genauso wichtig sind wie reine Muskelkraft. 

      Wenn Olga Maser in ihre Uniform schlüpft, unterscheidet sie äußerlich nichts von ihren Kollegen. Helm, Schutzkleidung, Stiefel – alles ist gleich. Und doch nimmt sie in Eschweiler eine besondere Rolle ein. Denn die 32‑Jährige ist derzeit die einzige hauptamtliche Feuerwehrfrau der Stadt.

      Seit fast zehn Monaten absolviert Olga Maser ihre Ausbildung als Brandmeisteranwärterin. Ende September dieses Jahres schließt sie ihre Ausbildung ab. Dann ist Maser offiziell Brandmeisterin im mittleren feuerwehrtechnischen Dienst.

      Der Weg zur Feuerwehr begann für Maser, die in Eschweiler aufgewachen ist und mittlerweile in Stolberg lebt, nicht bei der Freiwilligen Feuerwehr, sondern beim Rettungsdienst. Mehrere Jahre arbeitete die heute 32-Jährige als Rettungssanitäterin, erst in Aachen, später auch in der Eifel und der gesamten Städteregion. „Der Rettungsdienst ist sehr nah am Menschen, die Feuerwehr dagegen näher am gesamten Einsatzgeschehen“, sagt Maser. Und genau das habe sie gereizt. 

      Schon als Kind habe sie lieber mit Feuerwehrautos gespielt als mit Puppen. Trotzdem habe sie sich lange nicht getraut, den Schritt zur Feuerwehr zu wagen. „Ich dachte immer, ich bin zu schwach und schaffe das körperlich nicht.“ Auch wenn sie immer Sport gemacht habe – viel und gerne –, verunsicherte sie vor allem der Einstellungstest. Heute sagt sie: „Die Sportlichkeit kann man trainieren. Die Haltung nicht.“

      Was sie damit meint: Kameradschaft, Teamgeist und der Wille zu helfen seien mindestens genauso wichtig wie Muskelkraft. „Mir ist es super wichtig, im Team zu arbeiten. Niemand ist bei der Feuerwehr allein unterwegs.“ 

      Das Auswahlverfahren für den mittleren feuerwehrtechnischen Dienst beginnt in der Regel im Spätsommer. Maser bereitete sich etwa ein Jahr vorher gezielt darauf vor. „Ich wusste, welche Übungen auf mich zukommen. Online kann man nachschauen, welche Zeiten man erfüllen muss und welche Disziplinen drankommen.“ Empfohlen werde, sogar etwas härter zu trainieren als nötig.

      Ein Beispiel aus dem Sporttest: Eine 75 Kilogramm schwere Puppe muss über eine Strecke von 66 Metern, verteilt auf mehrere Runden, gezogen werden. „Da merkt man schnell, wie wichtig starke Beine sind“, sagt Maser. Viele Feuerwehren bieten Vorbereitungstests oder Trainingsmöglichkeiten an. „Man muss die Augen offenhalten und diese Angebote nutzen. Und man sollte nichts unterschätzen – aber sich auch nicht überanstrengen“, so die Feuerwehrfrau.

      Interkommunal, also auf die gesamte Städteregion Aachen gesehen, nehmen an einem Auswahlverfahren durchschnittlich 80 Bewerberinnen und Bewerber teil. Darunter sind oft nur drei bis fünf Frauen, sagt Marc Schmitz, stellvertretender Leiter der Feuerwehr in Eschweiler. Eine Zahl, die verdeutlicht, wie gering der Frauenanteil noch immer ist.

      Das zeigt auch ein Blick auf die aktuellen Zahlen des Deutschen Feuerwehrverbands: Zum 31. Dezember 2022 waren deutschlandweit rund 39.501 Personen bei der Berufsfeuerwehr aktiv – darunter nur 1193 Frauen, was gerade mal etwa drei Prozent entspricht. Bei der Freiwilligen Feuerwehr sind es etwas mehr Frauen – nämlich zwölf Prozent. Dort engagieren sich 122.600 Frauen unter etwa einer Million Mitgliedern in der Freiwilligen. 

      Als Olga Maser ihre Zusage für die Eschweiler Feuerwehr bekam, habe sie sich riesig gefreut. Gleichzeitig kamen Zweifel: „Oh je, die einzige Frau unter so vielen Männern – hoffentlich gibt es keine Vorurteile.“ Diese Sorgen lösten sich aber recht schnell in Luft auf. „Ich wurde richtig gut aufgenommen. Ich habe bereits zwei von drei Wachabteilungen kennengelernt und es war überall super.“

      Natürlich habe sie auch manchmal das Gefühl, sich beweisen zu müssen. „Aber eigentlich muss man es sich selbst beweisen, nicht den anderen.“ Dafür hält sie sich fit: Laufen, Schwimmen und vor allem Kraftsport gehören zu ihrem Alltag. Zwei Krafttrainingseinheiten pro Woche sind für sie selbstverständlich. 

      Besonders gerne erinnert sie sich an die sportlichen Anteile in ihrer Grundausbildung: „Wir hatten quasi einen Personal Trainer. Das war eine richtig gute Zeit – man macht auf der Arbeit Sport, das ist schon ein Traum.“

      Aber die 32-Jährige sagt auch, dass die Feuerwehrarbeit zwar körperlich anstrengend ist, aber reine Muskelkraft nicht alles ist: „Man muss sich als Frau bewusst sein, dass man andere Stärken mitbringt.“ Dazu zählten Ruhe in stressigen Situationen, Feinmotorik, Einfühlungsvermögen im Umgang mit Kindern oder älteren Menschen sowie Deeskalationsfähigkeit.

      Gleichzeitig sei es wichtig, körperlich mithalten zu können – schon aus Eigenschutz. „Die Geräte sind teilweise schwer. Da muss man auch aufpassen, dass man sich nicht den Rücken kaputtmacht.“ Dass der Sporttest für Männer und Frauen gleich ist, hält sie für richtig. „Im Einsatz wird auch kein Unterschied gemacht.“

      Am meisten Spaß macht Maser der 24‑Stunden‑Dienst. „Wir kochen zusammen, räumen zusammen auf, machen Sport zusammen. Es ist wie eine kleine Familie.“ Beruf und Freizeit verschmelzen dabei ein Stück weit – und genau das gefällt ihr. Und am Ende eines Tages habe sie oft das Gefühl, etwas Sinnvolles getan zu haben. „Spannung, Abwechslung, persönliche Entwicklung – und vor allem, anderen helfen zu können.“

      Trotzdem wünscht sie sich mehr Vielfalt bei der Feuerwehr. „Die Feuerwehr braucht keine Klischees. Wenn man an einen typischen Feuerwehrmann denkt, stellt man sich den oft groß und kräftig vor. Davon müssen wir weg.“ Frauen in Uniform hätten eine wichtige Vorbildfunktion. „Wenn eine Frau eine Feuerwehrfrau sieht, denkt sie vielleicht: Okay, ich traue mich auch.“

      Für junge Frauen hat die 32-Jährige Brandmeisteranwärterin eine wichtige Botschaft: „Einfach vorbereiten, sich bewerben und sich trauen. Und je früher man anfängt zu trainieren, desto besser.“ Wichtig sei einfach, dass man es versuche. Für die 32-Jährige ist klar: „Unfälle, Brände, Menschen in Not – das betrifft alle. Also dürfen auch alle helfen. Auch Frauen.“ Sie hofft, dass sie auch andere junge Frauen motiviert, sich für genau diesen Weg zu entscheiden.