Historie des Löschzugs 42


Vorwort

Was heute jedem Bürger in Sachen Feuerschutz als selbstverständlich erscheint, war 1900 zur Jahrhundertwende besonders in ländlichen Bezirken etwas Unbekanntes. Den drei seit 1875 eigenständigen Gemeinden Hastenrath, Nothberg und Wenau des damals zum Kreis Düren gehörenden Bürgermeistereiverbandes Nothberg standen je eine mittelalterlich anmutende Spritze mit 4 Eimern, 20 m Schlauch und eine gebrechliche Leiter zur Verfügung. Für den Bereich Hastenrath ist überliefert, dass diese Brandspritze aufgrund eines Gemeinderatbeschlusses vom 14.12.1863 bei der Fa. "Feuerlöschmaschinenhersteller Joseph Beduwe" in Aachen beschafft wurde. Die Kosten beliefen sich auf etwa 100 Taler. In Nothberg existierte zu diesem Zeitpunkt bereits eine ähnliche Spritze.

Diese Requisiten standen in trauter Gemeinschaft mit dem Leichenwagen im sogenannten Spritzenhaus. Dieses befand sich in Nothberg im Bereich "In den Benden" und in Hastenrath (erbaut im Jahr 1880) neben der alten Schule in der Pfarrer-Funk-Str. (neben dem heutigen Pfarramt). Den Spritzenhäusern angegliedert war außerdem noch die Arrestzelle (das Kaschöttchen) Diese Kombination gab der Örtlichkeit einen besonderen Nimbus und so war dann ein Alarm aus heutiger Perspektive gesehen schon eine etwas gemütliche Angelegenheit. Es dauerte eine geraume Zeit, ehe sich 10 bis 15 Einwohner, dem Ruf der handgekurbelten Sirene folgend, am Spritzenhaus einfanden. Weniger Personen durften es nicht sein, da der Einsatz sonst nicht möglich gewesen wäre. Erst musste der Leichenwagen ins Freie geholt werden. Er stand der häufigeren Nutzung wegen vorne. Alles, was dann zu geschehen hatte, bedurfte reiner Muskelkraft. War die Spritze einmal vor Ort, brauchte man zum Druckpumpen 6 Leute und je nach Lage 10 bis 20 für die Eimerkette. Die Position des Strahlrohrführers war dann mit Sicherheit der meistumkämpfte Posten. Bauerntümpel, Omerbach, Quellbach, Riffersbach, Mühlenteich, fahrbare Kübel und Jauchefässer lieferten das erforderliche Löschwasser.

Für den Bereich Hastenrath ist das erste Brandcorps namentlich bekannt. Es wurde am 10. Mai 1864 aufgrund einer "Circularverfügung" des Königlichen Landratamtes in Düren vom Gemeinderat Hastenrath gewählt.


Zusammensetzung:

Spritzenmeister (vermutlich vergleichbar heutigem Gruppenführer):
Joseph Jonas mit Vertreter Peter Wilhelm Classen
Rohrführer:
Andreas Willms mit Vertreter Johann Mahson
Pumpenleute:
Wilhelm Bringmann, Franz Egidius Clahsen, Franz Vahsen, Paul Schaaf, Franz Vogts, Josef Ehser, Jakob Simons-Ackerer, Joseph Erberich, Leonard Schmitz, Nicolas Hilgers, Gerhard Klinkenberg, Caspar Stump
Leitermeister:
Peter Wilhelm Ruland-Acker
Gehilfen:
Peter Wilhelm Klein, Wilhelm Gier, Johann Bauenthal, Mathias Flöhr, Caspar Schain, Peter Morschel
Bu???meister:
Wilhelm Kahlen
Gehilfen:

Bernhard Hansonis, Hermann Wolff, Franz Erberich, Wilhelm Jonas, Caspar Seeger, Peter Niesen, Peter Leipertz, Peter Wilhelm Müllejans jun., Peter Wilhelm Kaever, Caspar Seeger
Feuerwacht und Rettungsdienst:
Johann Müllejans, Heinrich Münstermann, Peter Wilhelm Vogts, Arnold Schaaf, Martin Morschel, Oswald Heinen, Peter Simons, Peter Josef Müller, Franz Wilhelm Niessen, Mathias Heinrich Hilgers, Aloys Heinen, Ludwig Ehser, Johann Wilhelm Contzen, Martin Floehr, Mathias Jordans, Franz Mathias Willms

Diese benannten Personen wurden nun entsprechend eingeübt.

Diesem Zustand wurde 1907 mit einem Erlass des Landrates im Kreis Düren ein Ende gesetzt. Alle Bürgermeistereien des Kreises wurden aufgefordert, durch Gründung von Gemeindefeuerwehren einen geordneten Feuerschutz sicher zu stellen. Ein Scheitern der Gründung wäre mit Schaffung einer Pflichtfeuerwehr beantwortet worden.


Chronik

Am 02. März 1907 fanden sich auf Einladung des Bürgermeisters Franz Richter im Lokal von Oswald Hilgers Männer aus Nothberg, Bohl und Volkenrath ein und beschlossen die Gründung einer freiwilligen Feuerwehr. Es wurde beschlossen, je eine Löschgruppe für Nothberg und eine für Hastenrath zu gründen. Nothberg machte mit obigem Datum den Anfang mit 34 Mann. Als Oberbrandmeister, das entspricht dem Zugführer, wählte man Heinrich Savelberg der jedoch sein Amt nicht antrat und am 14. April 1907 durch Johann Merken ersetzt wurde. Die Gründung in Hastenrath erfolgte vermutlich Ende 1907 und ist leider nicht genauer beurkundet. Als erster Leiter der Feuerwehr Hastenrath wurde am 01.Mai 1908 Nikolaus Kuiff und zu seinem Stellvertreter Andreas Flöhr gewählt.

Zur Zeit der Gründung gab es wie schon erwähnt einige Feuerlöschgeräte in beiden Gemeinden und ein reger Übungsbetrieb konnte aufgenommen werden. Dies machte sich schon kurze Zeit später am 21. September in der erfolgreichen Bekämpfung eines Brandes in der Bäckerei Robrock bemerkbar. Da die Wehrleute bis zu diesem Zeitpunkt noch in ihrer zivilen Kleidung agierten, wurden nun Arbeitsuniformen beantragt und kurze Zeit später von der Gemeinde bewilligt.

Ende 1911 bekämpften die Feuerwehrleute zwei Waldbrände. Einen auf den "Kalköfen" und den zweiten, größeren Brand im Stadtwald bei Stolberg. Als dann 1914 der Krieg ausbrach, mussten die jüngeren Kameraden an die Front und der Feuerschutz wurde von den älteren aufrecht erhalten. Drei Kameraden fielen fürs Vaterland.

In 1918 zum Ende des Ersten Weltkrieges konnte die Feuerwehr nur schwer wieder in ihre Tätigkeit zurückfinden. Erst Mitte des Jahres 1919 fand im Löschzug Nothberg wieder regelmäßiger Dienst statt. Die Abteilung Hastenrath-Bohl-Volkenrath kam vorerst nicht mehr zustande. 1925 wurde in den Nothberger Benden ein neues Gerätehaus mit hölzernem Schlauchturm erbaut. Das Löschen wurde seit 1925 durch den Ausbau des Wasserleitungsnetzes erheblich leichter. Wasser wurde ja bis dahin entweder aus Tümpeln, Brunnen oder dem Omer, Quell- und Riffersbach bzw. Mühlenteich entnommen. Doch die Freude über diese Erleichterung wurde erst einmal buchstäblich verwässert, da aufgrund des nun höheren Wasserdruckes bei den ersten Wasserentnahmen aus den Hydranten das gesamte alte Schlauchmaterial zerplatzte. Eine finanzielle Beihilfe des Kreises ermöglichte aber schon bald die Neubeschaffung der Schläuche. Weiterhin wurden eine verbesserte Spritze, ein Schlauchhaspelwagen sowie persönliche Ausrüstungsgegenstände angeschafft. In Hastenrath / Bohl kam 1927 auf Bemühen des stellvertretenden Brandmeisters Fritz Bodden hin der Löschzug wieder zustande. Der Übungsbetrieb lief auch hier rege an und die Schlussübungen und geselligen Abende der Kameraden bedeuteten stets einen vollen Erfolg. 1928 wurden für den Löschzug Hastenrath / Bohl blaue Uniformen angeschafft. Einen Gerätewagen und eine Schiebleiter fertigten die Mitglieder des Löschzuges in Eigenleistung an.

Im Jahr 1931 verunglückte das aktive Mitglied Otto Willms bei dem großen Grubenunglück auf Eschweiler-Reserve tödlich. Schon 1926 war der Feuerwehrmann Hubert Bertrams im Schacht tödlich verunglückt.

Wenige Monate nach dem 25-jährigen Jubiläum wurde die Bürgermeisterei Nothberg aufgeteilt. Nothberg sowie Hastenrath kamen am 01. Oktober 1932 im Rahmen der großen Gebietsreform zum Kreis Aachen und Wenau zum Amt Langerwehe. Die beiden Löschzüge Hastenrath und Nothberg wurden in die Wehr der Stadt Eschweiler integriert. Hier standen die Einheiten vor neuen Aufgaben.

1935 erfolgte durch eine weitere Reform oder auch Straffung der Wehr eine Umbenennung der Löschzüge Nothberg - Bohl / Hastenrath in Löschzug 4, der dann ab dem 27.05.1938 von Oberbrandmeister Peter Klinkenberg geführt wurde.

Die NS-Zeit und der Zweite Weltkrieg verlangten, wie überall, sehr viel von den Männern. Es gab zahlreiche Einsätze nach Luftangriffen. 1944 wurde die Bevölkerung wie auch die Feuerwehr der Stadt in den Raum Siegburg evakuiert.

Ab Herbst 1945 gab es wieder eine ständige Feuerwache in Eschweiler und schon 1947 nahmen, neben anderen Gruppen auch die Löschgruppen Nothberg und Hastenrath - Bohl unter Leitung von Branddirektor Hugo Merckens ihre Tätigkeit wieder auf. In 1953 nahm Nothberg eine neue Unterkunft in Betrieb. Die Gruppe war mit einem TSA (Tragkraftspritzenanhänger) ausgerüstet. Der Anhänger wurde bei Übungen meist von Hand gezogen oder einsatzabhängig an ein verfügbares Fahrzeug angehängt. Das war naturgemäß sehr oft eine landwirtschaftliche Zugmaschine. Ab dem Jahr 1964 war in Nothberg ein TSF (Tragkraftspritzenfahrzeug) auf Basis Ford Transit Frontlenker stationiert. Bis 1964 standen im Bereich Hastenrath weder eine Unterkunft noch ein Fahrzeug zur Verfügung. Man sammelte sich bei Alarm und wartete auf ein Fahrzeug der Hauptwache aus Eschweiler, welches dann die Feuerwehrmänner aufnahm. Im Jahr 1964 wurde der Löschgruppe Hastenrath ein ehemaliger Turngerätelagerraum der Volksschule Hastenrath an der Wendelinusstraße als Versammlungsraum zur Verfügung gestellt. Ab dem Jahr 1966 stand der Löschgruppe ein TSF Ford Transit Kurzhauber zur Verfügung, welches ebenfalls in dem Turngerätelagerraum an der Wendelinusstraße untergebracht wurde. Nach dem Schließen der Volksschule in Hastenrath stand der Löschgruppe Hastenrath ab 1970 ein ehemaliger Klassenraum als Schulungs – und Versammlungsraum zur Verfügung. Im Rahmen der kommunalen Neugliederung von 1972 wurden die beiden Löschgruppen Hastenrath und Nothberg zum heutigen LZ 42 zusammengefasst. Der Deckungsbereich erstreckte sich nun auf die Stadtteile Scherpenseel, Hastenrath, Volkenrath, Bohl, Bergrath bis zur Bahnlinie Aachen / Köln sowie Nothberg. Zusammen mit den Kameraden vom LZ 41 deckten sie das komplette südöstliche Stadtgebiet ab und bildeten den Abschnitt 4 der Freiw. Feuerwehr Eschweiler. 1978 machte die Kündigung des Mietvertrages für das Gerätehaus Nothberg Sorgen. Da fast zeitgleich auch der Schulungsraum Hastenrath aufgegeben werden sollte, wurde ein Neubau angestrebt. In 1980 erhielt die Löschgruppe Hastenrath ein LF8 und am 05. März 1982 wurde das neu erbaute Gerätehaus in Bohl eingeweiht. Hier konnten nun die Löschgruppen ein gemeinsames Haus beziehen. In der neuen Fahrzeughalle fand ein LF 16 TS vom Bund Baujahr 1982 seinen Platz neben dem LF8 von 1980. Im Dezember 1985 wurde der LZ 42 als letzter Zug der Freiw. Feuerwehr Eschweiler mit Funkrufmeldern ausgestattet. Die Sirenenalarmierung wurde ab diesem Zeitpunkt durch die sogenannte "stille Alarmierung " ersetzt.

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 Im Jahr 1988 wurde das LF 8 durch ein LF 16 Magirus ersetzt. Das LF 8 kam am 30.12.1988 nach Röhe und ersetzte dort ein TSF Ford Transit. Das der Form wegen liebevoll als Frittenwagen bezeichnete Fahrzeug wurde in Röhe erst 2005 außer Dienst gestellt. Ebenfalls im Jahr 1988 wurde das LF 16 TS durch ein baugleiches Fahrzeug, Baujahr 1988 ersetzt. Dieses wurde ebenfalls vom Bund als Katastrophenschutzfahrzeug zur Verfügung gestellt. Am 30. August 2008 feierte der Löschzug 42 im Rahmen eines kombinierten Fest- und bunten Abends im Saalbau Flatten das 100-jährige Bestehen der beiden Löschgruppen Nothberg und Hastenrath. Die Veranstaltung war ein voller Erfolg und wird allen Beteiligten sicher noch lange in positiver Erinnerung bleiben. Im Lauf der Jahre nahm die Anzahl der aktiven Mitglieder innerhalb des LZ 42 stetig zu und führte zu immer größeren Problemen sowohl in Hinblick auf die vorhandene Transportkapazität der beiden Fahrzeuge als auch bei der sachgerechten Unterbringung im Gerätehaus Bohl. Um diese Problematik zu entspannen wurde im April 2009 ein zum Mannschaftstransportfahrzeug (MTF) umgebauter Krankentransportwagen (KTW) in Bohl stationiert. Um auch die räumlichen Verhältnisse im Gerätehaus zu verbessern, fanden schon in 2008/2009 erste Gespräche zwischen der Zugführung und der Wehrleitung statt, die dann in 2012 konkretisiert wurden und aufbauend auf vorgelegte Erweiterungsvorschläge der Zugführung in 2013 durch ein Architekturbüro weiterentwickelt wurden. Im Dezember 2013 wurde das mittlerweile 25 Jahre alte LF 16 durch ein neues LF 10 ersetzt, welches am 12.03.2014 im Rahmen einer kleinen Feierstunde offiziell an den Löschzug übergeben wurde.

Im Jahr 1995 wurde im Rahmen der Jugendarbeit eine eigenständige Jugendfeuerwehrgruppe gegründet, welche bis heute sehr aktiv tätig ist und aus welcher bis zum heutigen Tag eine Vielzahl von Kameraden mit Erreichen des 18. Lebensjahres in die aktive Wehr überwechselten und hier vielfach immer noch ihren Dienst verrichten.


Zugführer des LZ 42 Bohl, soweit bekannt:

Mario Kortz
seit 2015
Peter Klein
1996 bis 2015
Gottfried Willms
1982 bis 1996
Josef Bolz
1977 bis 1982
Hans Willms
... bis 1977

Gruppenführer in Hastenrath, soweit bekannt:

Helmut Kersten
seit 2003
Franz-Josef Bierfeld
2001 bis 2003
Karsten Schroiff
1996 bis 2001
Peter Klein
1982 bis 1996
Gottfried Willms
1977 bis 1982
Hubert Mohnen
1964 bis 1977
Erich Arnecke
1963 bis 1964
August Smetz
... bis 1963
Peter Klinkenberg
1938 bis 1944
Heinrich Schaffrath
1932 bis 1938
Jean Winden
1930 bis 1931
Fritz Bodden
1927 bis 1930 ( die Neugründung )
?
Andreas Flöhr
1910 bis ...
Nikolaus Josef Kuiff
1908 bis 1910

Gruppenführer in Nothberg, soweit bekannt:

Hans-Michael Kortz
seit 2015
Mario Kortz
2004 bis 2015
Sascha de Buhr
2002 bis 2004
Hans Peter Schroiff
... bis 2002
Hans Otten
1990 bis ...
Karl Velden
1977 bis 1989
Josef Bolz
1970 bis 1977
Josef Esser
1969 bis 1970
Arnold Hermanns
ca. 1963 bis 1969
?
Heinrich Schmitz
... bis ...
?
Hermann Heiligers
1927 bis ...
Johann Kreutz
1925 bis 1927
Josef Dohms
1921 bis 1925
Johann Merken
1907 bis 1921 ( Gründer )

 

Quellen
>Kopie der Festschrift zum 25jährigen Jubiläum in Nothberg von 1932
>Mitschrift Bote an der Inde Nr. 208 vom 5.9.1932 (25 Jahre Freiwillige Feuerwehr Nothberg)
>Kopie eines Protokolls der St. Hubertus Schützen vom 30.04.1933
>Mitschrift Bote an der Inde Nr. 154 vom 5.7.1957 (50 Jahre Freiwillige Feuerwehr Nothberg)
>Mitschrift Bote an der Inde Nr. 157 vom 9.7.1957 (Omerbach lieferte Löschwasser)
>Festschrift zum 100jährigen Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Eschweiler
> Geschichte der Feuerwehr Heistern anlässlich des 100 jährigen Jubiläums 2007
> 7000 Jahre Siedlungsgeschichte Bohl-Volkenrath, Heimatbuch 1986
> Kopien aus den Protokollbüchern des Bürgermeistereirates der Gemeinde Nothberg von 1861 bis 1875
> Kopien aus den Protokollbüchern des Hastenrather Gemeinderates von 1875 bis 1932
> Informationen des Eschweiler Geschichtsvereins
> mündliche Überlieferungen
März 2015, P. Klein